Diss: Axel Kühn: Alexander Neill
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Zusammenfassung der Arbeit

Die Publikationen und ihr Charakter
Beginnend mit seinen ersten Veröffentlichungen in der Studentenzeitung der Universität Edinburghs im Jahre 1912 wandte sich Alexander Neill pädagogischen Fragestellungen zu. Später veröffentlichte er 19 Bücher, davon vier heitere Romane [The Booming of Bunkie 1919; Carroty Broon 1921; A Dominie's Five 1924; Last Man Alive 1938]. Die zwei zuletzt erschienen waren Phantasiegeschichten für Kinder, in denen Schülerinnen und Schüler seiner Schule eine Rolle spielten. Zwei weitere Bücher bilden romanhafte Erzählungen aus Neills pädagogischer Praxis [A Dominie's Log 1916; A Dominie Dismissed 1917]. Neills Büchern ist stets anzumerken, daß der Autor sie unabhängig voneinander in einem Prozeß des strukturierten Erzählens geschrieben hat. Sie sind anekdotenreich und nehmen oft Bezug auf die aktuelle Lebenssituation des Pädagogen und den Entwicklungsstand seiner Schule. Neills Schriften sind vielfach humorvoll und leicht lesbar. Theoretische Erörterungen finden allenfalls auf einer "populärwissenschaftlichen" Ebene statt.

An der Entwicklung des schriftstellerischen Wirkens Alexander Neills läßt sich eine Veränderung der Schreibkultur ablesen: Anfangs strukturierte Neill seine biographischen Texte noch in einer traditionell chronologischen Erzählweise und seine Bücher über Pädagogik waren so geschrieben, daß für den Lesenden eine Entwicklung des jeweiligen Themas nachvollziehbar wurde. Später wandte sich Neill einem Schreibstil zu, der aus kurzen Erörterungen eines Lebens- oder Themenkomplexes bestand. Diese Passagen können gewissermaßen in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. [88] Damit erweist Alexander Neill sich als hochgradig "moderner" Autor, der seine Wurzeln in der Schreibkultur des 19. Jahrhunderts hat, sich jedoch den Schreib- und Lesegewohnheiten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angepaßt hat.

Die Inhalte der pädagogischen Schriften Neills bestehen im wesentlichen in einer Auseinandersetzung seiner recht früh konkretisierten Erziehungsidee mit den pädagogischen Strömungen seiner Zeit. Neill hat sich zeitlebens mit der Vorstellung einer Staatsschule auseinandergesetzt, die im wesentlichen aus einem Abbild der Schulrealität in Schottland gegen Ende des 19.Jahrhunderts besteht. Veränderte Schulrealität hat er zwar wahrgenommen, aber nicht als beständig angesehen. Tatsächlich wurden formale Änderungen im Staatsschulwesen in Britannien auch erst nach Neills Tod wirksam (z.B. wurde die Prügelstrafe an Schulen erst 1982 abgeschafft).

Die Rezeption der Werke Neills machte ihn erst in den 70er Jahren zu einem internationalen Bestsellerautor (nachdem bereits vor dem Ersten Weltkrieg seine "Dominie"-Bücher in England als "Bestseller" einzustufen waren). Hierzu beigetragen hat vor allem die bereits an anderer Stelle beschriebene Zusammenstellung seiner Texte durch Harold HART, die unter dem Titel "Summerhill" 1960 in den USA erschien. Im Anschluß an diese Veröffentlichung entstanden erstmalig auch andere selbständige Veröffentlichungen weiterer Autoren über Neill und Summerhill. Filme und Rundfunksendungen über Summerhill wurden produziert und die Tagespresse verstetigte die (bisher in England sporadische) Berichterstattung über die Schule. Eine wissenschaftliche Rezeption setzte allmählich ein.

Die ersten Bücher, die über Summerhill erschienen, hatten einen ausschließlich beschreibenden Charakter. Die Autoren waren von der Schulidee begeistert und brachten diese Begeisterung in ihren Schriften und Fotografien zum Ausdruck. Erst 1970 kam es zu ersten kritischen Veröffentlichungen: In den USA erschien 1970 die kontroverse Diskussionsschrift "Summerhill - For and Against" und in Deutschland, wo Neill erst in diesen Jahren Berühmtheit erlangte, setzte sich die antiautoritäre Bewegung kritisch mit dem ihr fälschlich zugeordneten Vertreter auseinander. In England erschien 1972 zeitgleich mit Neills Autobiographie die Neill-Biographie von Ray HEMMINGS.

Zeitschriften- und Illustriertenartikel, die in diesen Jahren zahlreich veröffentlicht wurden, behandelten Neill als das entfant terrible der zeitgenössischen Pädagogik, beschreiben aber seine Schule und Pädagogik überwiegend wohlwollend, wenn nicht begeistert.

In Deutschland entbrannte eine erbitterte Diskussion um Erziehungsstile und in Zusammenhang mit der antiautoritären Bewegung wurden zahlreiche Schriften publiziert, die Neill fast unisono von dieser Bewegung abgrenzten, ihn aber dennoch an den dort propagierten Erziehungszielen maßen. In wissenschaftlichen Aufsätzen wurden Neill und Summerhill wenig beachtet. Eine wissenschaftliche Rezeption Neills setzte erst spät ein und wurde nur zögerlich betrieben.

Die Präsenz Summerhills in neuen Medien (Rundfunk und Film) ist ein bemerkenswertes Phänomen. Fortdauernd wurden und werden Filme über die Schule gedreht und Rundfunkbeiträge über sie gesendet. Neills Werk hat Anlaß zu unterschiedlichen Filmprojekten gegeben - einerseits wurde die Verfilmung eines Lebensabschnitts Neills geplant, andererseits wurde sein Buch "Last Man Alive", das in Deutschland unter dem Titel "Die grüne Wolke" einen enormen Erfolg hatte, als Kinofilm und TV-Serie realisiert. Sachbezogene Filme über Neill und Summerhill kreisten um die Schulidee des Pädagogen und - nach seinem Tod - um die durch ihn genährten Hoffnungen auf eine Reformation auch der öffentlichen Schulen. Schließlich ging es in den Beiträgen um den Fortbestand der unablässig von den Schulbehörden bedrängten Einrichtung. Ähnlich bemerkenswert ist die Produktion künstlerischer Darstellungen Neills. Es gibt Karikaturen, künstlerische Zeichnungen, Büsten und zahlreiche Fotografien des Pädagogen.

Zum Zeitpunkt des Todes von Alexander Neill lagen bereits neun selbständige Veröffentlichungen über ihn und seine Schule vor. Neills Tod markiert eine Wendemarke in der Rezeption seines Werkes. Für einige Jahre setzte die Berichterstattung in Druckmedien aus. Das erste Buch, das über Neill und Summerhill nach dem Tod des Schulgründers erschien, war die umfassende Biographie, die Jonathan CROALL 1983 veröffentlichte. Anschließend waren Neill und Summerhill Gegenstand vieler pädagogischer Qualifikationsarbeiten (Dissertationen, Examensabhandlungen) und erst seit Mitte der 90er Jahre erscheinen erneut Monographien, die sich mit Leben und Werk Neills und mit dessen Wirkung auseinandersetzen. Im Jahr 2000 schließlich wandte sich das Interesse erneut der Schule und ihren Konzept zu.

Diese Entwicklung wurde auch angeregt durch die kontroverse Diskussion um die Schließung der Schule, die von der Schulbehörde in den 90er Jahren immer wieder gefordert worden war. Die Schulschließungsdiskussion bestimmte auch die Berichterstattung in den Medien und hatte zum Nebeneffekt, daß der pädagogischen Welt bewußt wurde, daß Summerhill tatsächlich noch existiert und fortwährend nach den Grundsätzen arbeitet, die Alexander Neill Anfang des 20. Jahrhunderts für die Schule entwickelt hat. Um die Schließung der Schule geht es ebenfalls in einem unlängst erschienenen englischen Roman. Ein früher erschienener franko-kanadischer Roman über Neill und Summerhill setzt sich noch intensiv mit dem Thema Autorität auseinander. Die Romane und die Filmdrehbücher sowie die künstlerischen Darstellungen Neills machen aufmerksam auf die kreativ anregende Wirkung, die er und seine Schule in vielen Bereichen tatsächlich hatten.

Die Rezeption des Werkes Alexander Neills ist für die Rezeption von Pädagogen untypisch. Neills publizistische Wirkung erstreckte sich auf Bereiche, die im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert eigentlich von Medienpersönlichkeiten besetzt wurden. Tagespresse, Funk und Fernsehen haben sich eingehend mit Neill befaßt und seine pädagogische Idee verbreitet. Künstlerinnen und Künstler nahmen Neills Person und Werk zum Gegenstand ihrer bildhaften oder schriftstellerischen Darstellung. Die Wissenschaftliche Rezeption Neills dagegen wurde eher zurückhaltend betrieben.

Das Publizieren und seine Funktion
Alexander Neill war ein glänzender Publizist. Diese Fähigkeit muß angesichts der in dieser Arbeit beschriebenen Schriften von ihm und über ihn gewissermaßen gleichberechtigt neben seiner Gabe als Pädagoge gewürdigt werden. Seine publizistischen Fähigkeiten wurden in zahllosen Vorträgen, 19 selbständigen Buchveröffentlichungen, diversen Zusammenstellungen seiner Texte, einer Unzahl von Artikeln, Leserbriefen und auch in seiner Korrespondenz mit unterschiedlichsten Adressaten unter Beweis gestellt. Ihm wurde vielfach angelastet, ein schlechter Theoretiker gewesen zu sein. Dies habe dazu beigetragen, daß seine pädagogische Idee wenig Verbreitung gefunden habe. Er selbst beteuert auch mehrfach, kein Theoretiker zu sein. Tatsächlich war er ein begnadeter Rhetoriker, der seine pädagogische Demonstration geschickt dokumentierte und immer wieder in die Diskussion gebracht hat. Damit hat er eine Diskussion belebt, die zu einer grundlegenden Einstellungsänderung bei Eltern, Erzieherinnen und Erziehern und Lehrerkräften an Schulen beigetragen hat.

Diese Wirkungskraft hätte Alexander Neill möglicherweise nicht gehabt, wenn er sich "nur" als Theoretiker der Pädagogik einen Namen gemacht hätte. Eine seiner herausragenden Qualitäten besteht darin, daß er - als pädagogischer Autor - selbst eine Schule geleitet hat, die er anschaulich beschreiben konnte und in der er die Wirkungskraft seines pädagogischen Konzepts unter Beweis stellen konnte. Seine Fähigkeit, seine pädagogische Idee publizistisch zu "vermarkten", wiegt sein scheinbares Unvermögen, ihr ein theoretisches Gerüst zu verleihen auf [89]. Möglicherweise ist sie sogar bedeutsamer, weil Erziehungstheorien nur von Fachleuten gelesen und diskutiert werden. Vielfach dringen sie kaum weiter vor als in Lehrerseminare und erziehungswissenschaftliche Institute an Universitäten. Neills Bücher dagegen haben vor allem bei Laien Reaktionen ausgelöst. Seine Ideen sind zeitweilig über die von Erziehung Betroffenen [90] oder Erziehung "unprofessionell" betreibenden (Eltern) den pädagogischen Fachkräfte aufgedrängt worden [91]. Ja, es könnte fast rückblickend konstatiert werden, daß für das Konzept der Summerhill-Pädagogik ein elaboriertes theoretisches Gerüst entbehrlich war, weil die Schule beim neuerlichen Bekanntwerden von Neills Ideen während des Booms der frühen siebziger Jahre bereits 50 Jahre alt war und - so wie sie es fortdauernd tut - unter Beweis gestellt hatte, daß sie auf der Grundlage von Neills Leitgedanken aus den 20er Jahren funktioniert. Die "pädagogische Demonstration", die er so zielgerichtet dokumentiert hat, war viel öffentlichkeitswirksamer als es jede akademische Analyse hätte sein können.

Die Rezeption von Neills Werk vor allem im Rahmen der Berichterstattung über die Schule bescherte dieser und damit Neills Schulidee weit über seinen Tod hinaus eine enorme Publizität und sicherte damit auch den Fortbestand der Schule. [92] Neill kann als letzter internationaler pädagogischer "Superstar" bezeichnet werden. Seit ihm hat es keine derartige Leitfigur in der pädagogischen Welt gegeben. Vielleicht hängt dies damit zusammen, daß die Menschen charismatischen Führungspersonen gegenüber zunehmend mißtrauischer werden - ein Prozeß, der mit der Demokratisierung von Gesellschaften in Verbindung gebracht werden kann, zu der die Schulidee Neills in gewisser Weise ja auch beigetragen hat. [93]

Die Einschätzung der Wirkung Neills
Die Autorinnen und Autoren, die sich über die Wirkung Neills äußern, heben überwiegend hervor, daß seine Ideen eine grundlegende Einstellungsänderung bewirkt oder gefördert habe, die vor allem bei der Erziehung kleiner Kinder bleibende Auswirkungen hatte. Es wird nicht länger in Frage gestellt, daß Kinder ein Recht darauf haben, körperlich und seelisch unbeeinträchtigt aufzuwachsen und daß Kinder in der Lage sind, ihren Wünschen und Vorstellungen Ausdruck zu verleihen. Diese Einstellung hat sich auf breiter Ebene durchgesetzt und - das ist bemerkenswert - sie hat sich auch und möglicherweise zuerst bei Menschen verbreitet, die Erziehung nicht professionell betreiben. Inwieweit dies wirklich Neills Verdienst ist oder ob er mit seinen Veröffentlichungen nicht den "Nerv der Zeit" getroffen hat, entzieht sich einer genauen Einschätzung. 1973, als Neill starb, hieß es im Nachruf in der Times deshalb auch salomonisch: "If children anywhere are happier nowadays in school than their elders sometimes were, it is due in no small measure to this craggy, loveable Scot." [The Times, 25.09.1973 (Hervorhebung von mir)]

Im öffentlichen schulischen Bereich wurde die Summerhill-Pädagogik nirgends mehr als in Teilaspekten etabliert. Das kann damit zusammenhängen, daß es Neill aufgrund seiner Skepsis anderen Menschen gegenüber nicht gelungen ist, eine "Schule" (im Sinn einer Gefolgschaft) zu gründen, die dann sein Werk systematisch verbreiten und weiter entwickeln könnte [94]. Damit ist er aber auch der Gefahr entgangen, daß seine Arbeit von einer kleinen eingeschworenen selbstreferentiellen Gemeinschaft vereinnahmt und möglicherweise auch verfälscht wird. Von den Schulen, die sich nach dem Vorbild Summerhills gebildet haben, hatten die meisten eine sehr begrenzte Lebensdauer, was vielfach - in der Einschätzung Neills - damit zusammen hing, daß sie andere Ziele verfolgten als Neill dies mit seiner Schule tat. Neill hat sich dagegen verwehrt, daß solche Schulen den Namen "Summerhill" tragen, weil er die Erfahrung machen mußte, daß die Mißverständnisse der "Nachahmer" in der öffentlichen Sicht negative Rückwirkungen auf seine Schule haben konnten [95].

In der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften wird Neill als "pädagogischer Säulenheiliger" behandelt und die Harold HART-Veröffentlichung "Summerhill" (in Deutschland: "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung") ist auf den Pflichtlektürelisten pädagogischer Hochschulen und erziehungswissenschaftlicher Institute der Universitäten noch zu finden. Gleichwohl werden nur noch selten Seminarveranstaltungen angeboten, bei denen die Pädagogik Neills im Mittelpunkt steht [vgl. hierzu http://www.uni.paed.com]. Wenn Neill in den Fokus der wissenschaftlichen Lehrbetrachtung gerät, dann häufig in Zusammenhang mit der antiautoritären Bewegung und der Antipädagogik. Weiterhin wird er in Verbindung mit Vertreterinnen und Vertretern der Reformpädagogik gebracht. Die Pädagogik Neills als zukunftsweisende Alternative zu einer verkrusteten Regelschule kommt erst sehr allmählich in den Blick wissenschaftlicher Betrachtung.

Die Wirkung der Pädagogik in Summerhill auf die Schüler, denen sie zuteil wurde, ist nur ansatzweise erforscht worden [vgl. vor allem BERNSTEIN 1967/68 und ZELLINGER 1996 [96]]. Den wenigen Untersuchungen, die hierzu vorliegen, ist zu entnehmen, daß junge Menschen, die in Summerhill aufwachsen, in den meisten Fällen in ihrem subjektiven Empfinden vom Besuch der Schule profitiert haben. Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung und des sozialen Zusammenlebens werden als besonders bedeutsam hervorgehoben, die Vernachlässigung akademischen Lernens in Summerhill wird kritisiert. Gleichwohl haben viele Jugendliche, die in Summerhill waren und anschließend Regelschulen oder weiterführende Schulen und Hochschulen besuchten, nur geringe Anpassungsschwierigkeiten gehabt. Eine Schwierigkeit wurde besonders hervorgehoben: Kinder aus Summerhill verstehen nicht, warum in regulären Schulen das Lernen unterbrochen wird, wenn der Lehrer oder die Lehrerin den Unterrichtsraum verläßt.

Summerhill hat sich in den Verhandlungen zur Abwendung einer Schließung zwar verpflichtet, eine Evaluation der Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler zu betreiben. Diese Evaluation bezieht sich jedoch weniger auf Absolventinnen und Absolventen als auf Schülerinnen und Schüler, die gegenwärtig an der Schule sind und wissen möchten, welchen Entwicklungsstand sie - verglichen mit dem Gleichaltriger an Regelschulen - haben.



Fußnoten:

[88] Dies ist besonders deutlich in seiner Autobiographie zu beobachten: die Passagen, die schon während der 50er Jahre entstanden, sind chronologisch geordnet, die aus den späten 60ern thematisch. Aus jener Zeit stammt auch der thematisch geordnete Erziehungsratgeber: "Freedomnot License"/"Talking of Summerhill", in Deutschland: "Summerhill Fragen und Antworten"

[89] Swartz meint, daß dies kein Unvermögen, sondern Absicht gewesen sei: "Neill was careful not to reveal too much about the vast amount of intellectual work he had done in his live; those who have read Neill's books and article shave often been lead to think that his educational theories had emerged from raw experience, rather than experience that had been informed by much scholarship." [Swartz1986, S.204]

[90] Ich selbst habe als 14-jähriger meine Lehrerinnen und Lehrer mit der "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung" konfrontiert. Gleichzeitig habe ich unter meinen Mitschülerinnen und -schülern "Die grüne Wolke" verbreitet und damit eine lang anhaltende Diskussion über Schulrealität und -utopie ausgelöst.

[91] Auch aus diesem Grund wird Neills Buch "Summerhill" von Jakob R. Schmidt als " [...] kein pädagogischer Besteller sondern ein weltanschaulicher [...] " [1971, S.16] bezeichnet.

[92] Im Herbst 2001 besuchen 90 Kinder Summerhill - das sind mehr als jemals zuvor [Hartung-* Nov. 2001]. Diese Tatsache ist unzweifelhaft auf das enorme Medienecho um die Schließungsdiskussion 1999/2000 zurückzuführen. Petra Gerster hob hervor, daß die Presseberichterstattung über die drohende Schließung sie bewogen habe, Summerhill ein eigenes Kapitel in ihrem Buch zu widmen [Gespräch mit Petra Gerster im November 2001; vgl. hierzu Gerster/Nürnberger 2001]. Die neuen Schülerinnen und Schüler stammen auffälligerweise jedoch weniger aus den USA, England oder Deutschland, sondern aus Japan und Korea [Telefongespräch mit Dorothea Fuckert, 04.11.2001].

[93] Auf Zusammenhänge zwischen der Summerhill-Pädaogik und Demokratieerziehung wird in einem nachfolgenden Abschnitt noch gesondert eingegangen [siehe S.151].

[94] Zeitweilig haben die "Summerhill-Society" bzw. später der "Friends of Summerhill Trust" versucht, diese Aufgabe zu erfüllen. Sie sind jedoch beide schnell darangescheitert.

[95] So schrieb er 1962 an seinen amerikanischen Verleger: "I don't want the name S'hill to be attached to something I know nothing of" [Neill in Croall 1983a, S.217] und an die amerikanische Summerhill-Society: "The name Summerhill has for over forty years stood for something untarnished, for an uncompromising belief in freedom for children. I refuse to have the name used by men and women I have never seen, whose notions of freedom are divorced from mine." [Neill in Croall 1983a, S.219]

[96] Vorarbeiten zu einer umfassenden Studie für eine Fragebogenerhebung bei über 120 ehemaligen Schülerinnen und Schülern liegen bereit. Eine Internet befragung könnte auf dieser Grundlage mit bis zu 50 Absolventinnen und Absolventen erfolgen. Die Befragung von Inge von Bönninghausen und Jutta Dreisbach-Olsen kann nicht wirklich als Absolventinnen- und Absolventenstudie betrachtet werden [vgl. Kamp 1995, S.445].



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